In unserer neuen, zweiteiligen Beitragsreihe „Recycling von Weißblechverpackungen“ beleuchten wir Zahlen, Daten und Fakten rund um die Kreislaufwirtschaft für Metallverpackungen, wie sie in der Chemie- und Baubranche zum Einsatz kommen.
Im ersten Teil erläutern wir die Grundbegriffe des Recyclings und der Recyclingfähigkeit, im zweiten Teil nehmen wir die Rezyklatanteile unter die Lupe und erläutern die Unterschiede zu anderen Verpackungsmaterialien.
Zahlen, Daten und Fakten rund um die Kreislaufwirtschaft
Die Kreislaufwirtschaft ist längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor für Industrie, Handel und Verpackungshersteller. Mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung (PPWR), die voraussichtlich zum 12. August 2026 in Kraft tritt verschiebt sich der Fokus deutlich: Weg von reinen Entsorgungszielen, hin zu messbarer Recyclingfähigkeit, verbindlichen Rezyklatanteilen und klaren Marktanforderungen.
Für Unternehmen bedeutet das: Verpackungen werden künftig nicht nur nach Kosten und Funktion bewertet, sondern nach ihrer tatsächlichen Kreislauffähigkeit. Begriffe wie Recyclingquote, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil sind damit nicht mehr nur technische Kennzahlen, sondern entscheidende Steuerungsgrößen für Marktzugang, Gebührenstruktur und Nachhaltigkeitsstrategie.
Gerade bei metallischen Verpackungen – insbesondere Weißblech – zeigt sich, wie leistungsfähig etablierte Recyclingstrukturen bereits heute sind und welche Rolle sie in einer funktionierenden Circular Economy spielen können. Die nachstehende Tabelle belegt dies: In vielen Ländern der Europäischen Union wird bereits seit viele Jahren ein Recyclinganteil von rund 80 Prozent erreicht Fast überall steigt die Quote, werden immer größere Anteile der genutzten Verpackungen aus Haushaltungen und Industrie wieder in den Kreislauf gebracht.
Recyclinganteil von Metallverpackungen in der EU in Prozent | 2021 | 2022 | 2023 |
Europäische Union | 75 | 76,7 | 77,2 |
Belgien | 96,6 | 96,4 | 96,8 |
Bulgarien | 83,1 | 63,3 | : |
Tschechien | 67,4 | 58,7 | 71,4 |
Dänemark | 65,7 | 66,4 | 68,4 |
Deutschland | 82,8 | 82,9 | 83,3 |
Griechenland | 79,5 | 64,5 | 57,6 |
Spanien | 79,6 | 79,9 | 76,5 |
Frankreich | 60,2 | 64,2 | 68 |
Kroatien | 24,6 | 19,2 | 17,9 |
Italien | 70,3 | 78 | 86,2 |
Litauen | 81,2 | 76,7 | 85,5 |
Luxemburg | 79,6 | 70,7 | 71,1 |
Ungarn | 63,4 | 61,3 | 53,9 |
Niederlande | 90,1 | 89,1 | 88 |
Österreich | 73,9 | 74,6 | 83,3 |
Polen | : | 100,8 | 83,2 |
Portugal | 54,5 | 52,1 | 50,2 |
Rumänien | 44,2 | 42,2 | : |
Slowakei | 76,5 | 77,1 | 83,3 |
Finnland | 76,2 | 76,4 | 80,2 |
Schweden | 83,9 | 81,9 | 86,4 |
Island | 63,7 | 65,1 | 63,6 |
Liechtenstein | 100 | 100 | 100 |
Norwegen | 91,8 | 90,3 | 91,9 |
Quelle: Eurostat (EU-Statistikbehörde) – Recycling rates of packaging waste for monitoring compliance with policy targets, by type of packaging (Link)
Während sich die Recyclingquoten für Metallverpackungen vielerorts deutlich verbesserten, sank gleichzeitig der Pro-Kopf-Verbrauch für Verpackungsmüll insgesamt in den EU-Staaten, so dass die Umwelt zweifach profitiert – weniger Belastung durch weniger Müll und gleichzeitig eine höhere Wiederverwertung.
Pro-Kopf-Verbrauch Verpackungsmüll in Kilogramm (alle Verpackungsarten) | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 |
European Union | 178,18 | 190,11 | 186,55 | 177,81 |
Belgien | 167,28 | 170,75 | 167,1 | 166,72 |
Dänemark | 179,34 | 185,26 | 191,41 | 192,38 |
Deutschland | 225,79 | 236,69 | 228,63 | 215,19 |
Spanien | 168,23 | 183,88 | 182,8 | 179,2 |
Frankreich | 187,52 | 196,82 | 185,91 | 172,89 |
Italien | 208,77 | 229,9 | 232,36 | 219,53 |
Ungarn | 155,88 | 161,35 | 166,47 | 152,95 |
Niederlande | 173,55 | 171,52 | 168,78 | 168,52 |
Österreich | 157,34 | 164,61 | 163,2 | 152,37 |
Polen |
|
| 182,1 | 172,69 |
Schweden | 132,06 | 156,83 | 131,46 | 125,2 |
Quelle: Eurostat Packaging waste by waste management operations (Link)
Pro-Kopf-Verbrauch Verpackungsmüll in Kilogramm (nur Metallverpackungen) | 2021 | 2022 | 2023 |
European Union | 9,36 | 9,17 | 8,78 |
Belgien | 10,85 | 10,28 | 9,8 |
Dänemark | 8,19 | 9,76 | 10,26 |
Deutschland | 12,24 | 11,92 | 11,49 |
Spanien | 8,09 | 7,97 | 7,5 |
Frankreich | 8,11 | 7,87 | 7,6 |
Italien | 10,78 | 10,4 | 9,64 |
Ungarn | 10,36 | 10,42 | 9,41 |
Niederlande | 11,51 | 11,15 | 10,44 |
Österreich | 7,59 | 7,2 | 6,99 |
Polen | : | 7,97 | 7,91 |
Schweden | 6,42 | 6,69 | 6,51 |
Quelle: Eurostat Packaging waste by waste management operations (Link)
Recyclingquote
Die Recyclingquote beschreibt, welcher Anteil eines bestimmten Verpackungsmaterials tatsächlich recycelt wird – bezogen auf die Gesamtmenge, die in einem definierten Zeitraum (meist ein Kalenderjahr) in Verkehr gebracht wurde.
Sie ist damit eine systemische Kennzahl und kein Merkmal einzelner Verpackungen.
Auf europäischer Ebene gibt die PPWR verbindliche Zielwerte vor. Für Verpackungen aus Eisenmetallen – dazu zählt Weißblech – liegt die Zielquote ab 2025 bei mindestens 70 %, ab 2030 bei 80 %. Deutschland geht mit seinem Verpackungsgesetz deutlich darüber hinaus: Für Verkaufsverpackungen aus privatem Endverbrauch werden Recyclingquoten von bis zu 90 % gefordert.
In der Praxis zeigt sich, dass metallische Verpackungen diese Anforderungen nicht nur erfüllen, sondern regelmäßig übertreffen.
Laut Branchen- und EU-Daten liegt die Recyclingquote für Stahlverpackungen in Europa aktuell bei über 80 %. In Deutschland werden für Weißblechverpackungen aus Haushalten seit Jahren Werte von über 90 % erreicht.
Der Grund dafür ist strukturell: Metalle lassen sich magnetisch sortieren, verlustarm aufbereiten und nahezu unbegrenzt ohne Qualitätsverlust recyceln. Dadurch entstehen stabile Stoffkreisläufe mit hoher Rückgewinnungsrate.
Recyclingfähigkeit: Eigenschaft der einzelnen Verpackung
Im Gegensatz zur Recyclingquote beschreibt die Recyclingfähigkeit die Qualität einer konkreten Verpackung. Sie gibt an, welcher Anteil dieser Verpackung nach Sortierung und Aufbereitung tatsächlich als Sekundärrohstoff wiederverwendet werden kann.
Diese Kennzahl wird künftig zum entscheidenden Kriterium für den Marktzugang:
Die PPWR sieht vor, dass Verpackungen ab 2030 eine Mindest-Recyclingfähigkeit von 70% erreichen müssen, die ab 2038 auf 80% steigt. Verpackungen, die diese Schwellen nicht erfüllen, dürfen perspektivisch nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Zusätzlich wird die Recyclingfähigkeit direkten Einfluss auf die sogenannten EPR-Gebühren haben – also die Kosten, die Hersteller für die Beteiligung an Rücknahmesystemen zahlen. Je besser eine Verpackung recycelbar ist, desto geringer fallen diese Gebühren aus.
Weißblechverpackungen schneiden hier besonders gut ab. Durch ihre homogene Materialstruktur und die etablierte Sortiertechnologie erreichen sie Recyclingfähigkeiten von typischerweise 94 bis 99 %.
Ein zusätzlicher Vorteil: Auch andere Verpackungen profitieren davon. Glasverpackungen mit Metallverschlüssen erreichen häufig bessere Recyclingwerte, da sich Metallkomponenten effizient abtrennen lassen und den Recyclingprozess nicht stören.
